TAP Express, Portugália und Codeshare: Wer ist verantwortlich?
Für einen EU261-Anspruch zählt die Airline, die den betroffenen Flug tatsächlich ausführt. TAP Air Portugal kann Verkäufer oder Marketingcarrier sein, während Portugália unter der Marke TAP Express fliegt. Auch ein Star-Alliance- oder anderer Codeshare-Partner kann hinter einem TP-Code stehen. Lesen Sie deshalb bei jedem Abschnitt die Zeile „operated by“. Der Markenname, die Buchungsseite und selbst die ersten zwei Zeichen der Flugnummer beantworten die Haftungsfrage nicht allein.
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Wählen Sie die Situation, die Ihren Flug am besten beschreibt:
Vier Rollen, die in einer Buchung vorkommen können
| Rolle | Bedeutung | Warum sie wichtig ist |
|---|---|---|
| Verkäufer | Webseite, Reisebüro oder Plattform, die die Buchung vermittelt | kann bei Zahlung oder Information relevant sein |
| Vertraglicher Carrier | Unternehmen, unter dessen Code der Abschnitt verkauft wird | steht häufig auf Ticket und Rechnung |
| Ausführende Airline | Unternehmen, das Flugzeug und Besatzung einsetzt und den Flug durchführt | primärer Adressat nach EU261 |
| Wet-Lease-Geber | stellt Flugzeug und Besatzung im Auftrag eines anderen Carriers | ist nicht automatisch ausführendes Unternehmen im Rechtssinn |
Der Gerichtshof hat im Fall Wirth klargestellt, dass das Unternehmen, das die operative Entscheidung zur Durchführung trifft, maßgeblich ist. Ein bloßer Vermieter von Flugzeug und Besatzung wird nicht allein dadurch zum ausführenden Luftfahrtunternehmen.
Was TAP Express und Portugália bedeuten
TAP Express ist eine Marke. Portugália – Companhia Portuguesa de Transportes Aéreos, S.A. ist ein eigenes portugiesisches Luftfahrtunternehmen und betreibt Flüge unter dieser Marke. Die portugiesische Luftfahrtbehörde ANAC bezeichnet Portugália in einer Mitteilung vom 6. August 2026 ausdrücklich als „Portugália Airlines (TAP Express)“.
Wenn Ihre Bestätigung „operated by Portugália Airlines“ nennt, ist Portugália für die EU261-Prüfung nicht einfach unsichtbar. Richten Sie die Forderung an das tatsächlich genannte Unternehmen und nehmen Sie TAP gegebenenfalls in Kopie oder nutzen Sie den von TAP bereitgestellten Reklamationsweg. Entscheidend ist, dass der Vorgang nicht an einer falschen Unternehmensbezeichnung scheitert.
Ein Flugzeug kann trotzdem TAP-Farben tragen, das Personal kann die Marke TAP Express verwenden und die Buchung kann eine TP-Flugnummer zeigen. Diese sichtbaren Merkmale sind nützliche Indizien, ersetzen aber die Betreiberangabe nicht.
Codeshare: TP auf dem Ticket, Partner am Flugzeug
Bei einem Codeshare verkaufen mehrere Fluggesellschaften denselben physischen Flug unter unterschiedlichen Nummern. Beispiel: Ein Abschnitt wird als TP-Nummer gebucht, aber in der Bestätigung steht ein Star-Alliance-Partner als Betreiber. Dann ist dieser Partner grundsätzlich der Adressat für eine Verspätung oder Annullierung dieses Abschnitts.
Das gilt auch umgekehrt. Ein Ticket kann unter fremdem Code verkauft sein, während TAP tatsächlich fliegt. Dann kann TAP die ausführende Airline sein. Prüfen Sie den einzelnen Abschnitt statt den gesamten Reiseplan pauschal einer Marke zuzuordnen.
Besonders wichtig wird das bei Reisen aus einem Drittstaat in die EU. Ein von TAP ausgeführter Rückflug Brasilien–Portugal kann wegen TAPs EU-Status erfasst sein. Führt eine nicht europäische Partnerairline denselben Flug aus, kann sich der räumliche Geltungsbereich ändern. Die Seite TAP Deutschland-Brasilien zeigt diese Richtungsfrage.
Anschlussreise mit mehreren Betreibern
Eine Buchung Frankfurt–Lissabon–Dakar kann auf dem Zubringer Portugália und auf der Langstrecke TAP Air Portugal nennen. Geht der Anschluss wegen des ersten Abschnitts verloren, muss die Ursache dem ausführenden Unternehmen dieses Abschnitts zugeordnet werden. Die Endverspätung wird dennoch am letzten Ziel der einheitlichen Buchung gemessen.
Erstellen Sie eine kleine Betreibertabelle:
| Abschnitt | Marketingcode | „Operated by“ | Störung | Ankunft |
|---|---|---|---|---|
| Frankfurt–Lissabon | TP… | Portugália | 95 Minuten zu spät | Anschluss verloren |
| Lissabon–Dakar | TP… | TAP Air Portugal | planmäßig abgeflogen | nicht erreicht |
| Ersatz Lissabon–Dakar | TP… | TAP Air Portugal | Umbuchung | 7 Stunden Endverspätung |
Diese Darstellung macht sichtbar, welche operative Entscheidung die Reise störte. Sie ist wirkungsvoller als die pauschale Formulierung „mein TAP-Flug war verspätet“.
Wet Lease richtig einordnen
Bei einem Wet Lease stellt ein anderes Unternehmen Flugzeug und Besatzung. Auf der Bordkarte oder am Flugzeug kann deshalb ein Name auftauchen, der in der Buchung nicht als ausführende Airline bezeichnet wird. Fragen Sie bei Unklarheit nach der Störungsbescheinigung und dem verantwortlichen Betreiber.
Der Wet-Lease-Geber ist nach der Wirth-Entscheidung nicht automatisch der Schuldner, wenn er nur Gerät und Besatzung bereitstellt und der Auftraggeber die operative Verantwortung trägt. Formulierungen wie „operated on behalf of“ müssen im Gesamtzusammenhang gelesen werden. Schicken Sie nicht vorschnell identische Forderungen an drei Unternehmen; bitten Sie stattdessen um klare Bestätigung, wer die operative Verantwortung übernommen hat.
Welche Dokumente den Betreiber beweisen
Sichern Sie möglichst mehrere Belege:
- PDF oder Screenshot der ursprünglichen Buchungsbestätigung;
- E-Ticket-Quittung mit Marketing- und Betreiberangabe;
- Bordkarte des tatsächlich genutzten Fluges;
- Foto der Anzeige am Flugsteig, falls dort der Betreiber genannt wird;
- Umbuchungsbestätigung mit neuer Flugnummer;
- Störungsnachricht und Vorgangsnummer;
- bei einem Reisebüro die vom Carrier ausgestellte Ticketquittung, nicht nur die Agenturrechnung.
Ein Flugnummernpräfix ist kein abschließender Beweis. Auch die Ticketnummer zeigt in erster Linie, wer das Ticket ausgestellt hat, nicht zwingend, wer jeden Abschnitt flog.
So formulieren Sie die Reklamation
Beginnen Sie mit einem klaren Satz: „Der Abschnitt FRA–LIS am 18. August 2026 wurde laut E-Ticket von Portugália Airlines ausgeführt und verursachte durch seine Verspätung den Verlust des Anschlusses nach Dakar. Das Endziel wurde 7 Stunden verspätet erreicht.“ Fügen Sie die Betreiberzeile als Anlage bei.
Berechnen Sie danach den Anspruch aus der gesamten geschützten Reise, ohne die Unternehmensrollen zu vermischen. Der Ratgeber zum TAP-Formular enthält die weiteren Schritte. Weist TAP die Forderung nur mit „anderer Carrier zuständig“ zurück, verlangen Sie den vollständigen Namen, die ladungsfähige Anschrift und die Grundlage dieser Zuordnung.
Erstattung, Gepäck und Meilen können einem anderen Muster folgen
Nicht jede Streitfrage folgt exakt der EU261-Betreiberregel. Eine Ticketerstattung kann den vertraglichen Carrier oder Verkäufer betreffen. Gepäckansprüche können nach dem Montrealer Übereinkommen gegen den vertraglichen oder tatsächlichen Luftfrachtführer möglich sein. Die Meilengutschrift richtet sich nach den Programmbedingungen. Trennen Sie deshalb:
- pauschalen EU261-Betrag;
- Ticketkostenerstattung oder Ersatzbeförderung;
- Auslagen wegen fehlender Betreuung;
- Gepäckschaden;
- Miles&Go-Gutschrift oder Rückbuchung von Meilen.
Die eigene Seite zu TAP Miles&Go verhindert, dass ein Prämienticket mit der Betreiberfrage verwechselt wird.
FAQ
Ist TAP Express eine eigene Fluggesellschaft?
TAP Express ist die verwendete Marke. Ein Flug kann tatsächlich von Portugália Airlines ausgeführt werden, einem eigenen portugiesischen Luftfahrtunternehmen.
Reicht eine TP-Flugnummer als Beweis für TAP?
Nein. Die TP-Nummer bezeichnet den Marketingcode. Prüfen Sie zusätzlich die Zeile „operated by“ für den konkreten Abschnitt.
Muss der Wet-Lease-Geber die Entschädigung zahlen?
Nicht automatisch. Nach dem EuGH kommt es auf die operative Verantwortung an; das bloße Bereitstellen von Flugzeug und Besatzung genügt nicht.
Kann Portugália EU261 auch auf einem Rückflug aus einem Drittstaat auslösen?
Portugália ist ein portugiesischer EU-Carrier. Ob die konkrete Drittstaat-EU-Reise erfasst ist, hängt zusätzlich von Betreiber, Ziel und einheitlicher Buchung ab.
An wen richte ich einen Gepäckanspruch bei Codeshare?
Das Montrealer Übereinkommen kennt Ansprüche gegen vertraglichen und tatsächlichen Luftfrachtführer. Die EU261-Regel zum ausführenden Unternehmen darf nicht schematisch auf Gepäck übertragen werden.